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Historie

Waldenbuch im Mittelalter



Im Mittelalter gehörten zahlreiche Orte um Waldenbuch herum den Pfalzgrafen von Tübingen. Diese waren jedoch nicht, wie man vermuten könnte, die Waldenbucher Herren. Otto Springer schreibt:

Als solche sind die den Tübinger Grafen nahe verwandten mächtigen Grafen von Hohenberg anzusehen, deren Stammsitz auf dem gleichnamigen zweithöchsten Berg der schwäbischen Alb im damaligen Scherragau, im heutigen Oberamt Spaichingen*, lag. Nicht mit urkundlicher Gewißheit, wohl aber hoher geschichtlicher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, daß Waldenbuch von dem Hohenberger Grafen Burkhard II.** durch Heirat als Teil der ehemaligen Grafschaft Kersch erworben wurde, deren gänzlich verschwundener Stammsitz bei Denkendorf am unteren Lauf des Baches Körsch lag, welcher zwei Stunden nordöstlich von Waldenbuch über die Filderebene weg dem Neckar zufließt.

* Der 1011m hohe Oberhohenberg gehört zu dem Teil der Alb die als großer Heuberg bezeichnet wird und liegt in der Nähe von Balingen, wo sich die heutigen Landkreise Rottweil, Tuttlingen und Zollernalb berühren.
** Mehr über Burkhard II. von Hohenberg und die Grafen von Hohenberg, einer Seitenlinie der Hohenzollern, findet man hier:

In der Burg und Stadt Waldenbuch, da wo die Gebiete der sich ebesooft verbindenden als bekriegenden drei Grafschaften von Tübingen, Hohenberg und Wirtemberg samt den Besitzungen der streitsüchtigen freien Reichstadt Eßlingen zusammenstießen, saß ums Jahr 1296 ein Wernher von Waltenbuch, welcher laut Vertragsbrief zwischen der Stadt Eßlingen und dem dabei gelegenen Frauenkloster Sirnau eben diesem Kloster 25 Morgen Ackers und 7 Mannsmahd (d.h. soviel als 7 Männer an einem Tag mähen konnten) Wiesen schenkte.

Dieser Vertrag ist die erste erhaltene, schriftliche Erwähnung von Waldenbuch und war im Jahr 1996 Anlass zur Feier des 700-jährigen Bestehens der Stadt.

Im Jahr 1363 verkaufte schließlich der Herzog Reinold von Urslingen die Stadt Waldenbuch "nebst Zubehör und Gütern" an die Grafen Ebrhard II., den Greiner oder Rauschebart, und Ulrich IV. von Wirtemberg. Wie Waldenbuch damals wohl aussah beschreibt Otto Springer so:

Der aus dem Aichtal sich erhebende freistehende Hügel, nur auf der Westseite gegen das Dorf Weil hin durch einen schmalen Sattel mit dem bergigen bewaldeten Hinterland (Weilerberg) verbunden, trug auf seiner schön abgerundeten Kuppe, wo heutzutage das Schloß steht, die alte Burg, von der nichts mehr erhalten ist. Dicht daneben befand sich die, abgesehen von dem unteren Teil des Turmes, ebenfalls verschwundene alte Kirche nebst dem sie umgebenden Friedhof. Daran schließt, gegen Süden ziemlich abfallend, der heutige Marktplatz an, von dem die hauptsächlich gegen Osten und Westen abfallenden Straßen des den ganzen Hügel bedeckenden Ort einnehmen. Die Befestigung des Städtleins hing mit derjenigen der Burg zusammen; beide waren gemeinsam geschützt durch eine hohe Ringmauer, die um der später darauf gebauten Häuser willen größtenteils erhalten ist. Gegen Westen hin (beim heutigen Gasthof zur Post*) öffnet sich das obere Tor, im Stuttgarter Zinsbuch von 1451 "Wyler Thor" genannt**, nach dem nächstgelegenen Ort Weil im Schönbuch, gen Osten hin das untere Tor in der Richtung von Stuttgart her; zur Verteidigung eingerichtete Türme schützen diese Zugänge. Der Überlieferung nach führte ein von der Burg herablaufender unterirdischer Gang zu einer auf der Südseite der Mauer befindlichen Pforte, gegenüber der heutigen Mühle, wo wirklich eine spitzbogenartige Vermauerung wahrzunehmen ist***. Aus dem heutigen Schloßhof gelangt man durch eine kleine Mauerpforte auf den schräg über den Schloßrain hinabziehenden schmalen sogenannten Feuerweg, den einst Herzog Ulrich bei einem Brand zu seiner Rettung benützt haben soll.

* Punkt 11 des Stadtlehrpfades
** Punkt 7 des Stadtlehrpfades
*** Punkt 15 des Stadtlehrpfades

Die natürlichen Wasserverhältnisse waren der Befestigung sehr günstig, denn wie das Aichflüßchen dicht um die nördliche, so schmiegt sich der gleichfalls dem Schönbuch entspringende Totenbach, in seinem weiteren Verlauf Segelbach, Seitenbach, Heimbach genannt, um die südliche Hälfte des Hügels, der von einem aus dem Bach gespeisten nassen Graben umzogen war, nach welchem heute eine Straße "auf dem Graben" benannt wird. Folgen wir dem Zug der Mauer, so betrug der damalige Umfang etwa 800 Schritte = 640 Meter. Das Ganze stellte, sowohl der Lage als der Überreste der Befestigung nach, ein ehemals starkes mittelalterliches Bollwerk von mäßigem Umfang dar. Wer die Burg erbaut un den Ort befestigt, ob, wann und durch wen schließlich die Burg zerstört wurde, dies ist unbekannt.

1482 erhielt Graf Eberhard im Bart die Herrschaft über Württemberg, der zur Hirschjagd und zur "Pflege geistlicher Übungen im Kloster Bebenhausen" den Schönbuch besuchte.

Mehr als Eberhard selbst spielt seine treffliche Gemahlin, vom Volk die Gräfin von Mantua genannt, eine Rolle in unserer Geschichte. Sie besaß in nächster Nähe des Städtchens auf einer lieblichen, an der nördlichen Talseite gelegenen Anhöhe eine schöne Meierei, Hasenhof genannt. Von dort aus versorgte sie die Stuttgarter fürstliche Küche mit Butter und Schmalz und hielt bei der in den Wiesengründen des Reichenbaches gelegenen Kochenmühle stattliche Viehzucht, war aber nach ihren eigenen Worten auch stets bereit, mit dem armen Volke Speck und Bohnen zu essen. Nach dem im Jahr 1496 erfolgten Tod Eberhards lebte Barbara teils auf ihrem Witwensitz in Böblingen, teils auf dem ebenfalls zum Wittum gehörigen Hasenhof als ein Segen der Umgegend. Ihr Bildnis, welches sie als anmutige schlanke Frau darstellt ist im einstigen Lieblingsaufenthalt ihres Gemahl, dem Kloster Bebenhausen, noch zu schauen.


Quelle: Otto Springer, Geschichte der altwürttembergischen Landstadt Waldenbuch, Druck und Verlag W. Kohlhammer, 1912
Gestaltung: Stefan O. Schüller

Zuletzt aktualisiert am 05.01.2010